Vom Umgang mit Hochsensibilität

Manche Menschen haben besonders feine Antennen: Sie sind empfindsamer, spüren intensiv, wie es anderen geht – eine Gabe, die Risiken birgt. So sind beispielsweise überreizte Sinne bei hochsensiblen Menschen oft gang und gäbe: Etwa jeder fünfte in unserer Gesellschaft weist eine hohe Ausprägung der Wahrnehmungs-Verarbeitungs-Sensibilität auf. Das bedeutet konkret: Bei solchen Hochsensiblen erreichen mehr Reize als normal die Sinne, so dass mehr Informationen vom Gehirn verarbeitet werden müssen. Häufig ist das Stress pur. Die zwischenmenschliche Realität mündet dabei oft in unausgesprochenen Gefühle oder in der Luft hängender Kritik, die auf unachtsame Weise geäußert wird. Kleine und große Kränkungen, die Menschen einander zufügen – woher kommt diese Empfindsamkeit? Das hochsensible Gehirn verarbeitet von außen anders, denn es filtert sie kaum. Besonders wichtig hier anzumerken: HSP ist keine Krankheit, sondern ein Merkmal, das genetisch bedingt ist oder erworben werden kann, etwa durch eine schwere Kindheit und Jugend. Vor allem die tägliche Reizüberflutung, die schon robusten Naturen zu schaffen macht, ist ein Risiko. Wie anstrengend muss es sein, sich jeden Tag zu fühlen, als wäre man in einem überfüllten Zelt oder auf dem Jahrmarkt? Gleichzeitig entwickelt die highly sensible person, wie Elain N. Aron sie nennt, eine Vielbegabung, die dazu führt, dass viele Ziele angestrebt werden. Manchmal zu viele. Daher ist es gut, Verhalten zu dimmen, zu kalibrieren, zu lenken, gerne durch Selbstbeobachtung und Lernen. Bemerkenswert dargestellt wird dies bei Gerlinde, der Protagonistin bei Rolf Sellin. Hier wird unterschieden zwischen EMPFANG und SENDUNG.

Wenn wir zu viel aufnehmen, sind wir ständig auf Empfang und filtern nicht mehr. Wenn wir reflektieren, senden wir die Botschaft aus: Im Moment und Heute ohne mich. Wir hüllen uns in ein Kokon ein. Dieses Tool zu reflektieren ist lebensnotwendig für HSP: Puls, Blutdruck, innere Drangzustände, das ewige „Ich muss“ muss ein Ende finden. Trost durch Philosophie kommt dem HSP zu Gute, bei Schlaflosigkeit und Grübeln hilft Epiktet:

Alle großen Geister haben gegrübelt.

Hilfreich aus der School of Life von Alain de Botton: Schlaflosigkeit – ein Ratgeber, ein Trost und die Antwort auf schlaflose Nächte. Insgesamt kann Selbsthilfe eine große Hilfe bei Menschen mit HSP sein, aber auch der Besuch von kleinen Gruppen, die sich damit auseinandersetzen führt zu einer Verbesserung des Lebensstils.

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