Selbsttest – Hast du hochsensible
Eigenschaften?

Hochsensibilität kann sich auf alle Sinne beziehen. Betroffene berichten oft von intensivem, ungefiltertem Hören, Sehen, Riechen oder Schmecken. Dabei ist in ihrem Erleben auch oft eine stärkere Ausprägung beim Empfang von Stimmungen möglich. Insbesondere die eigenen Empfindungen nehmen hochsensible Menschen oft in besonderer Intensität wahr, beispielsweise das Erleben von Liebe, Trauer, Schmerz aber auch Kunst oder Musik. Dabei haben viele Hochsensible auch einen überdurchschnittlichen Sinn für Gerechtigkeit, eine besondere Schmerzempfindlichkeit sowie ein starkes Bedürfnis nach Harmonie. Der folgende Selbsttest kann Aufschluss darüber geben, ob du hochsensible Eigenschaften hast.

  1. Starke Intuition und tiefe Gefühle
    Du hast ein reiches Innenleben und nimmst viel wahr.
  2. Gründliche Beschäftigung
    Du vertiefst dich in Aufgaben, liebst Details und analysiert intensiv.
  3. Reiche emotionale Reaktionen im Alltag
    Erlebnisse und Dinge, aber auch Kunst und Musik bewegen Dich stark. Du bist kreativ, träumst auch tagsüber, weinst schnell.
  4. Viel Mitgefühl
    Du zeigst große Empathie und hast eine starke Abneigung gegen Gewalt.
  5. Dinge persönlich nehmen
    Du reflektierst dich und andere ständig, dabei beziehst du vieles schnell auf dich.
  6. Neigung dich zu sorgen
    Langes Grübeln löst oft Ängste bei dir aus.
  7. Viele Stimuli überfordern dich
    Du bist schnell überreizt, dabei reagierst du manchmal auch körperlich.
  8. Bewusstheit für Gerechtigkeit
    Es macht dich wütend, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird.
  9. Streben nach Harmonie
    Gute Vermittler und Teamarbeiter müssen lernen, Konflikte auszuhalten.
  10. Hoher Selbstanspruch
    Du neigst zu Perfektionismus, machst dir damit Druck.
    Schwierig für dich: unter Beobachtung zu arbeiten.
  11. Gerne allein unterwegs
    Zumindest im Sport ziehst du es vor, allein zu sein. In der Regel meidest du den Wettbewerb.
  12. Du bist ein guter Zuhörer
    Dabei gibst du anderen ein gutes Gefühl und hast stets ein offenes Ohr. Gefahr: Abgrenzung fällt schwer.
  13. Rückzug ist wichtig
    Du brauchst regelmäßig die Möglichkeit, deine „Akkus“ aufzuladen.
  14. Entscheidungen fallen dir schwer
    Jedes Detail ist wichtig, wird abgewägt und erfordert eine tiefe Verarbeitung.
  15. Viel Selbstbewertung
    Als „falsch“ bewertetes Verhalten hängt dir lange noch nach. Der innere Kritiker macht es dir schwer, Kritik von anderen anzunehmen.

    Im Rahmen von Hochsensibilität kommt es gehäuft zu Angst-, Schlaf- oder Essstörungen sowie psychosomatischen Erkrankungen und Depressionen. Auch Menschen mit ASS Aspergerstörung finden sich hier.

Vom Umgang mit Hochsensibilität

Manche Menschen haben besonders feine Antennen: Sie sind empfindsamer, spüren intensiv, wie es anderen geht – eine Gabe, die Risiken birgt. So sind beispielsweise überreizte Sinne bei hochsensiblen Menschen oft gang und gäbe: Etwa jeder fünfte in unserer Gesellschaft weist eine hohe Ausprägung der Wahrnehmungs-Verarbeitungs-Sensibilität auf. Das bedeutet konkret: Bei solchen Hochsensiblen erreichen mehr Reize als normal die Sinne, so dass mehr Informationen vom Gehirn verarbeitet werden müssen. Häufig ist das Stress pur. Die zwischenmenschliche Realität mündet dabei oft in unausgesprochenen Gefühle oder in der Luft hängender Kritik, die auf unachtsame Weise geäußert wird. Kleine und große Kränkungen, die Menschen einander zufügen – woher kommt diese Empfindsamkeit? Das hochsensible Gehirn verarbeitet von außen anders, denn es filtert sie kaum. Besonders wichtig hier anzumerken: HSP ist keine Krankheit, sondern ein Merkmal, das genetisch bedingt ist oder erworben werden kann, etwa durch eine schwere Kindheit und Jugend. Vor allem die tägliche Reizüberflutung, die schon robusten Naturen zu schaffen macht, ist ein Risiko. Wie anstrengend muss es sein, sich jeden Tag zu fühlen, als wäre man in einem überfüllten Zelt oder auf dem Jahrmarkt? Gleichzeitig entwickelt die highly sensible person, wie Elain N. Aron sie nennt, eine Vielbegabung, die dazu führt, dass viele Ziele angestrebt werden. Manchmal zu viele. Daher ist es gut, Verhalten zu dimmen, zu kalibrieren, zu lenken, gerne durch Selbstbeobachtung und Lernen. Bemerkenswert dargestellt wird dies bei Gerlinde, der Protagonistin bei Rolf Sellin. Hier wird unterschieden zwischen EMPFANG und SENDUNG.

Wenn wir zu viel aufnehmen, sind wir ständig auf Empfang und filtern nicht mehr. Wenn wir reflektieren, senden wir die Botschaft aus: Im Moment und Heute ohne mich. Wir hüllen uns in ein Kokon ein. Dieses Tool zu reflektieren ist lebensnotwendig für HSP: Puls, Blutdruck, innere Drangzustände, das ewige „Ich muss“ muss ein Ende finden. Trost durch Philosophie kommt dem HSP zu Gute, bei Schlaflosigkeit und Grübeln hilft Epiktet:

Alle großen Geister haben gegrübelt.

Hilfreich aus der School of Life von Alain de Botton: Schlaflosigkeit – ein Ratgeber, ein Trost und die Antwort auf schlaflose Nächte. Insgesamt kann Selbsthilfe eine große Hilfe bei Menschen mit HSP sein, aber auch der Besuch von kleinen Gruppen, die sich damit auseinandersetzen führt zu einer Verbesserung des Lebensstils.

Impulse von Dr. Karin Ortner-Willnecker

„Manchmal verstehen sich Hochsensible selbst nicht, wenn sie das starke Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe empfinden, obwohl die Unternehmung mit Freunden doch recht bereichernd war. Wenn in Ihnen der Ruf laut wird, endlich einmal die Verantwortung abgeben zu dürfen, obwohl sie doch eigentlich gerne Verantwortung übernehmen. Oder wenn in Ihnen wieder einmal das diffuse Gefühl aufsteigt, nicht wirklich angekommen zu sein – in der Partnerschaft, im Beruf, im Leben. Erkennen Sie sich wieder? Sie sind hochsensibel!“ Dr. Karin Ortner-Willnecker, München.

Kein Filter: Die Crux mit den
überreizten Sinnen

Im Allgemeinen ist Reduktion eines der wichtigsten Aspekte im Umgang mit der eigenen Hochsensibilität. Dabei geht es um eine stille Stärke, weniger um aktive Präsenz. Kürzlich berichtete beispielsweise eine Autorin, dass sich Betroffene oft wie ein Alien fühlen würden. So fand zum Beispiel die Sängerin Alanis Morissette erst nach der Lektüre von Elain N. Aron Zugang zu mehr Selbsakzeptanz. Bildung hilft: Lesen, Reflektieren und Gruppenbesuche ausgewählter Gesundheitskreise, insgesamt eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema der eigenen Hochsensibilität. Wichtig ist zu erkennen: Empfindsamkeit kann stark machen. Hier helfen Strategien, die der Selbstregulation dienen und vorbeugen. Neue Lebensumfelder für sich zu erschließen dient dem Ausgleich. Wenn du erkennst, dass du hochsensibel bist, kannst du deine Vergangenheit neu bewerten.

Appele zur Veränderung, wie in modernen Coachingkonzepten, sind nicht selten Angriffe auf die Vergangenheit, die eher schwächen. Worum es letztendlich geht, ist ein neuer Blick auf das eigene Leben. Individuelle Bandbreiten laden zum Spurenwechsel ein. Nur wer die leisen Seiten des Daseins sieht, kann gewinnen. Ein Märchenweltprojekt in Worpswede stellt dies beispielsweise am Märchen von Hänsel und Gretel dar: Märchen pflegen die Seele, sie lassen uns mutig sein, stärken uns und lassen uns träumen. „Ein Vater hatte nichts mehr, um seine Familie zu ernähren und so schlug die Stiefmutter vor, die Kinder im Wald auszusetzen. Da merkte er, was für ein schrecklicher Mensch sie war, ließ sich aber nichts anmerken. Bei einem gemeinsamen Spaziergang durch den Wald, ließen sie diese allein zurück. Es war schon dunkel und die drei fanden den Weg zurück, da der Vater weiße Kieselsteine gelegt hatte, auf die nun der Mond schien.“ Worpsweder Nebenwege: Beim Refraiming kann man sehen, dass es schön ist, so viele Gefühle zu haben und man kann das auch lenken. Schöne wie negative Eindrücke erleben Hochsensible intensiv – eine Gabe, die auch ein Fluch sein kann.

Wegen der Reizüberflutung vermeiden Hochsensible oft gesellige Runden, denn sie reflektieren weitaus mehr als andere. Es wird alles stark durchdacht. Darin sind HSP hervorragend und sie sind nicht ohne Grund gute Analytiker, sorgen sich jedoch auch stärker oder neigen dazu, Ängste zu haben. Hypnose kann ein guter Heilungsweg sein. Führt sie hin zu dem, was man fühlt. Für sich selbst die passende Antwort zu finden, dauert oft lange, alles muss tiefergehend geprüft werden, das Gegenüber steigt dann nicht selten aus. Es ergibt sich ein Schachmatt auf der Verhaltensebene. Der in allem nachhaltige Lebensstil ist der geeignete Entwurf für ein Leben mit Filter und die Crux mit den überreizten Sinnen. Ungefiltert fluten die Reize in das Nerven-und Körpersystem der Betroffenen ein. Das führt zu körperlichen und seelischen Reaktionen: Hoher Pulsschlag, Tinnitus, Hautirritationen, Hitze, Druck auf den Magen. Die fünf Schlagworte des nachhaltigen Lebensstils sind:

  • refuse (ablehnen)
  • reduce (reduzieren)
  • reuse (wiederverwerten)
  • recyclen (recyclen)
  • rot (kompostieren)

Allein schon das sich-bewusst-machen und das eingebunden-sein in den ewigen Kreislauf aus Kommen und Gehen kann für spürbare Beruhigung sorgen.

Hochsensibel im Beruf

Der hochsensible Mensch im Beruf nährt seine gesunde Basis mit Mantras: „Du musst nicht alles auf einmal schaffen“, „Du musst Dich nicht entscheiden.“ nach dem gleichnamigen Buch von Barbara Scheer. Oder frei nach A. Ashe: „Fang dort an, wo Du bist. Nutze, was Du hast. Tu, was Du kannst.“

Der Jobcoach, Autor und selbst Hochsensible Luca Rohleder beschreibt einzigartig die Hochsensibilität im Beruf, wenn er erklärt, dass er Hochsensible schon an ihrer Biographie erkennt. HSPler lieben immer wieder neue Herausforderungen, wollen die Herausforderungen und Veränderungen. Häufig verbergen sich bis zu fünf Beruf hinter einer Berufstätigkeit. Süffisant oft als „Sie sind sehr vielseitig“ kommentiert in einer Gesellschaft, die auf Spezialisierung setzt und denjenigen, die das Geld verwalten zehnmal mehr zahlt als denen, die ihre Kinder und alte Eltern betreuen. Vielbegabung ist ein laufendes Thema für Hochsensible. Qualifizierung über den Berufstag hinaus. Der Hochsensible will sich nicht entscheiden – zu viele Reize führen zur Verlockung. Vielfältigkeit und Qualifikation sind seine Themen und genau dies stellt ein großes Risiko da: Sich zu erschöpfen, zu übernehmen, sich zu viel zuzumuten oder ganz schlicht ausgenutzt zu werden. „Hochsensibel kompetent“ von Dr. Marianne Skarics beschreibt genau dieses Thema. Für diejenigen welche das Enneagramm lieben  von der gleichen Autorin „Enneagramm und Hochsensibilität“ (Siehe Nummer Fünf)